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Bild : Stadtarchiv Friedrichsdorf, Hugenottenakten, Nr. 207 Nachlässe
Die 1687 vom Landgrafen von Hessen-Homburg zugestandenen Privilegien gewährten den Siedler:innen der neuen Hugenottenkolonie Friedrichsdorf unter anderem das Recht auf einen eigenen Gerichtsschreiber. Die sechs im langen 18. Jahrhundert tätigen Gerichtsschreiber produzierten für die Einwohner:innen Inventare, Eheverträge und Testamente – hauptsächlich in der weiterhin dominierenden Kult- und Alltagssprache Französisch. Sie sind textuelle Spuren ihres praktischen Umgangs mit der materiellen Welt an verschiedenen einschneidenden Lebensmomenten. Akribisch wurden mal vergangene, mal gegenwärtige und mal zukünftige Eigentumsverhältnisse geordnet, festgehalten und von den bedeutendsten Personen des sozialen Umfelds bezeugt. Eine quantitative Auswertung dieser seriellen Quellen ermöglicht die Analyse des komplexen Gewebes der Kolonie, in dem materielle Arrangements, soziale Beziehungen, kulturelle Praktiken und institutionellen Strukturen miteinander verflochten waren.
Karoline Müller ist Doktorandin und assoziiertes Mitglied des IFRA-Instituts.