2026-2027 | "Die Welt und Frankreich". Frankfurter Frankreich-Forschungen

 

Ringvorlesung | "Die Welt und Frankreich". Frankfurter Frankreich-Forschungen

Wintersemester 2026/27

Bereits in der Frühen Neuzeit strebte die französische Monarchie eine globale Ausdehnung an. Unter massiver Anwendung von Gewalt festigte sich im 19. und 20. Jahrhundert das französische Imperium zunächst, verlor dann einzelne Gebiete wieder. Frankreich bleibt mit seinen überseeischen Territorien und gewichtigen internen Migrationsbewegungen ein Land, das durch seine koloniale Vergangenheit stark geprägt ist. Außerdem lassen sich auch heute in ehemaligen Kolonien Effekte des sogenannten zivilisatorischen Unterfangens feststellen, mit dem die territoriale Ausdehnung vorangetrieben wurde. Wenn man sich mit Frankreich beschäftigt, reicht es nicht, sich mit der France Métropole auseinanderzusetzen. Die Redner:innen, die wir zur diesjährigen Ringvorlesung eingeladen haben, bemühen sich darum, die Perspektive auf Frankreich zu dezentrieren. Sie hinterfragen kritisch, nehmen Anregungen aus postkolonialer und dekolonialer Theorie auf und berichten von den Herausforderungen, mit denen sie in ihren Forschungen konfrontiert werden. Forschende aus Deutschland und Frankreich präsentieren Bestandsaufnahmen, Analysen und Visionen und öffnen die Diskussion für Perspektiven aus Literaturwissenschaft, Geschichte, Jura, Soziologie, Politikwissenschaft und Archäologie und tragen so zum gewohnt pluridisziplinären Charakter der Ringvorlesung bei.

Programm 

28.10. Roland Ißler/Sandra Seubert/Xenia von Tippelskirch, GU, Imperiale Phantasien, dekoloniale Kämpfe, Frankophonie. Zur Einführung

11.11. Jürgen Erfurt, GU, Die Welt und Französisch: Zur Situation der Frankophonie

18.11. Nikolas Gestrich, GU, Von einem „Empire“ zum anderen: Französischer Kolonialismus und die Entstehung des Narrativs eines goldenen Zeitalters in der westafrikanischen Savanne

25.11.  Camille Lefebvre, EHESS, Another African History (Vortrag in englischer Sprache)

09.12. Oliver Eberl, Marburg, Neukaledonien oder Kanaky? Dekolonisierungskämpfe auf Frankreichs größter Pazifikinsel

16.12. Esther Moeller, Marburg, Aufklärung als Exportprodukt? Französische Schulen im Libanon der Mandatszeit aus globaler Perspektive 

20.01. Andrea Gremels, Frankfurt/Oder, Liberté, Égalité, Anti-Colonialisme: Aufklärungskritik und Versklavungsgeschichte bei Aimé Césaire

27.01. Samuel Weber, GU, Bedruckte Stoffe und tätowierte Körper. Tuchhändler und Mystikerinnen zwischen Syrien und Marseille im 18. Jahrhundert 

03.02.  Lionel Zevounou, EHESS, Discrimination Against Moroccan Workers at the SNCF (1970–2018) (Vortrag in englischer Sprache)

10.02.  Onur Erdur, CMB, Im Süden der Theorie. Kolonialismus und Antikolonialismus im französischen Denken nach 1945 (Sitzung gemeinsam mit Institut für Sozialforschung)

Veranstalter: IFRA-SHS / Institut français Frankfurt, Institut für Politikwissenschaft, Institut für Romanische Sprachen und Literaturen, Historisches Seminar, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften (Prof. Dr. Xenia von Tippelskirch / Prof. Dr. Roland Ißler / Prof. Dr. Sandra Seubert)