Scholar Guides

SCHOLAR GUIDES

SCHOLAR GUIDES

Das IFHA war maßgeblich an einem Projekt beteiligt, das es französischen und deutschen Historiker erleichtern soll, sich innerhalb der Forschungs- und Lehrstrukturen des jeweils anderen Landes zurechtzufinden. So steht zum einen seit 2011 ein französischsprachiger Scholarguide zur Verfügung, der frankophonen Wissenschaftler praktische Informationen rund um die Geschichtsforschung in Deutschland liefert.  Zum anderen wurde 2014 ein entsprechender Leitfaden für deutsche Forscher erarbeitet, der über Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung in Frankreich informiert. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut in Paris und dem deutsch-französischen Programm der Maison des Sciences de l’Homme verfolgt das IFRA auf diese Weise sein Gründungsziel weiter, nämlich die Schaffung von Instrumentarien, die das interkulturelle Verstehen und den wissenschaftlichen Austausch im Bereich der Geschichts- und Sozialwissenschaften fördern.

DEUTSCHLAND FÜR HISTORIKER

"Faire de l'histoire en Allemagne"

Der Scolarguide ist kostenlos online verfügbar.

Faire de l’histoire en Allemagne : un guide pour les jeunes chercheurs français. Sous la direction de Falk Bretschneider et Mareike König

Im Jahr 2011 haben Falk Bretschneider (CRIA/EHESS) und Mareike König (IHAP) unter dem Titel „Faire de l’histoire en Allemagne“ einen Leitfaden für französischsprechende Historiker, die in Deutschland forschen möchten, herausgegeben. Er erschien auf der Webseite perspectivia.net, einer digitalen Plattform deutscher Forschungsinstitute im Ausland für den Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. In 13 Artikeln präsentieren Bretschneider und König auf insgesamt rund 300 Seiten Tipps und Informationen rund um Institutionen und Finanzierungshilfen, Archive und andere Dokumentationszentren, Mitarbeiter, Strukturen und Praktiken der deutschen Forschungslandschaft. All dies wird aus dem Blickwinkel französischer Forscher betrachtet, die in Deutschland Kontakte knüpfen, in Archiven und Bibliotheken recherchieren, studieren, Arbeiten veröffentlichen und Karriere machen möchten. Beinahe wie in einem „ethnographischen“ Werk werden französischsprachigen Wissenschaftler die Besonderheiten, Gewohnheiten und das teils fremde Verhalten deutscher Historiker erläutert. Dazu zählen z.B. folgende Punkte:

  • Die wissenschaftliche und akademische Kompetenz ist von Bundesland zu Bundesland anders begründet.
  • Die Veröffentlichung der Doktorarbeit ist obligatorisch, um den Doktortitel als Bestandteil des Namens führen zu dürfen.
  • Institute und außeruniversitäre Stiftungen nehmen einen zentralen Platz nicht nur bei der Finanzierung von Forschungsprojekten, sondern auch bei der Karriereförderung ein.
  • Die Anordnung innerhalb von Archiven variiert von Stadt zu Stadt bzw. von Bundesland zu Bundesland.
  • Die Studiengänge sind noch längst nicht immer am sogenannten „Bologna-Prozess“ ausgerichtet (Bachelor nach 6, Master oder Magister nach insgesamt 10, Promotion nach insgesamt 16 Semestern).
  • Die Unterteilung in geschichtswissenschaftliche Zeitperioden und die Interdisziplinarität folgen anderen Grenzen.
  • Die wissenschaftliche Sprache geschichtlicher Studien unterliegt eigenen Normen und Gesetzen.

Der Erfolg und die Verwendbarkeit dieses Ratgebers haben dazu geführt, dass Falk Bretschneider(CRIA/EHESS), Mareike König (IHAP) und Pierre Monnet (EHESS/IFHA) 2013 das Pendant „Frankreich für Historiker“ herausgaben.  

 

FRANKREICH FÜR HISTORIKER

"Geschichte machen in Frankreich"

Der Scholarguide ist kostenlos online verfügbar.

Geschichte machen in Frankreich, Ein Wegweiser für Studium, Forschung und Karriere

Falk Bretschneider, Mareike König et Pierre Monnet (Hgb.)

Im Juni 2012 begannen Falk Bretschneider (CRIA/EHESS), Mareike König (IHAP) und Pierre Monnet(EHESS/IFHA) mit der Arbeit an einem Pedant zum französischsprachigen Leitfaden „Faire de l’histoire en Allemagne“. Dabei handelt es sich um einen Ratgeber zur Geschichtsforschung in Frankreich für deutschsprachige Wissenschaftler. Wie in der deutschen Version wird auch hier ein quasi „fremder Blick“ auf die Besonderheiten der französischen Studien- und Forschungslandschaft im Fach Geschichte geworfen. Sie wird gekennzeichnet durch:

  • die in der gesamten Laufbahn eines Wissenschaftlers immens wichtigen „concours de recrutement nationaux“ (zentral gesteuerten Staatsexamina),
  • die zentrale Steuerung durch das Forschungsministerium und große Forschungsagenturen bzw. –verbände,
  • ein nationales einheitliches Archivsystem,
  • die Zweiteilung in Universitäten auf der einen und Grandes écoles auf der anderen Seite,
  • die Konzentration auf den Ballungsraum Paris,
  • eine fast heilige Koppelung der Forschungsbereiche Geschichte und Geographie

Das Inhaltsverzeichnis des Scholarguides für französische Historiker galt auch als Richtlinie für den Aufbau der auf Frankreich bezogenen Ausgabe. So finden sich darin unter anderem

  • eine Übersicht über die aktuellen Tendenzen der französischen Geschichtsforschung,
  • eine Darstellung der französischen Forschungslandschaft,
  • eine Erläuterung des Studienaufbaus in Frankreich
  • Informationen rund um die Doktorarbeit (thèse) und die binationale Doktorarbeit (cotutelle),
  • Informationen zur Organisation der Archive und zum internen Aufbau,
  • Hinweise zu Bibliotheken,
  • Hinweise zu den wichtigsten Zeitschriften, elektronischen Hilfsmitteln und Internetportalen,
  • Tipps zu Finanzierungsmöglichkeiten und zur Vorbereitung eines Forschungsaufenthalts in Frankreich,
  • Ausführungen zur wissenschaftlichen Fachsprache in Frankreich,
  • Informationen über Veröffentlichungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven für junge Historiker in Frankreich.

Ergänzt wird der deutsche Scholarguide für Studium und Forschung in Frankreich um ein Kapitel, das sich mit der Ausbildung, der Rekrutierung und der Karriere von Geschichtslehrern in Frankreich befasst (die Rolle der „classes préparatoires“, die Ausbreitung der so genannten Europaklassen und des bilingualen Zweigs des deutsch-französischen Abiturs (Abibac), Auswahlverfahren über die nationalen Staatsexamina des Capes und der Agrégation).